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Ursula-Legende

Entwicklung der Legende

Legende aus dem 13. Jahrhundert

Legende aus dem 20. Jahrhundert

Zeittafel

Namensbedeutung

Ursulas Begleiterinnen

Ursula Reliquie

Ursula-Legende aus dem 13. Jahrhundert

Zu den meist gelesenen Büchern des späten Mittelalters gehörte die Legendensammlung „Legenda aurea” („goldene Legende”) des Jacobus de Voragine. Hieraus stammt folgende Fassung der Ursula-Legende aus dem 13. Jahrhundert:

Von den Elftausend Jungfrauen

Die Marter der elftausend Jungfrauen geschah in dieser Weise. Es war zu Britannia ein frommer christlicher König, Nothus oder Maurus mit Namen, der hatte eine Tochter, die hieß Ursula. Die war so ehrbaren Wandels, so weise und so schön, dass ihr Name flog weit durch die Lande. Da war auch der König von Engelland, der war gar mächtig und hatte viel Völker unter seine Herrschaft gebracht; vor den kam der Ruhm dieser Jungfrau, also dass er sprach: er wäre über alles selig, wann er die Jungfrau seinem einzigen Sohn könnte zum Weibe geben. Darauf stund auch des Jünglings Begier. Darum sandten sie feierlich Boten zu der Jungfrau Vater, die sollten ihm schön tun und große Dinge geloben; doch sollten sie ihm auch schwerlich drohen, so sie leer zu ihrem Herrn müßten wiederkehren.

Der König von Britannia geriet darob in große Furcht, denn er wollte seine Tochter, die mit dem Glauben Christi gezeichnet war, nicht einem Götzenanbeter zum Weibe geben, und vermeinte auch, dass sie nimmermehr ihren Willen dazu würde geben; und fürchtete doch die Wildheit des Königs. Aber Sanct Ursula gab der Himmel in ihren Sinn, dass sie ihrem Vater riet, er sollte in des Königs Bitte einwilligen, doch unter dem Beding, dass der König und ihr Vater ihr zehn erlesene Jungfrauen zu Troste gäben, und dazu ihr und jeglicher Jungfrau tausend Mägde möchte gesellen; dann sollte man Schiffe bereiten, und ihr eine Frist geben von dreien Jahren, dass sie ihre Jungfrauschaft möchte weihen; hiezwischen sollte der Jüngling selber sich lassen taufen, und in den dreien Jahren gelehrt werden Christenglauben. Mit diesem weisen Rate wollte sie das Herz des Jünglings durch soviel Schwierigkeit von seiner Begierde ziehen, oder doch alsoviel Jungfrauen mit sich Gott weihen. Aber der Jüngling war es alles zufrieden, nahm das Gedinge an, und lag selbst seinem Vater darum an mit großem Fleiß. Er ließ sich alsbald taufen, und gebot, dass alles eilends würde vollbracht, was die Jungfrau hatte geordnet. Der Vater der Jungfrau aber gebot, dass seine Tochter, die er gar sehr liebte, auch Männer in ihrem Gefolge haben sollte, deren Hilfe sie mit ihrem Heere etwan möchte brauchen.

Da kamen die Jungfrauen zuhauf von allen Seiten, und männiglich lief herbei zum Schauen das große Wunder. Auch kamen dazu viel Bischöfe, dass sie mit ihr führen; unter denen war Pantulus, der Bischof von Basel, der sie darnach geleitete bis gen Rom, und auch mit ihnen herwiderfuhr, und das Martyrium mit ihnen empfing. Aber Sanct Gerafina, die Königin von Sicilien, die ihren Gemahl, einen gar grausamen König, aus einem Wolf gleichsam gewandelt hatte in ein Lamm; die eine Schwester war des Bischofs Maurisius und der Daria, Sanct Ursulen Mutter; die kam alsbald, da ihr der Vater der Heiligen das Geheimnis mit Briefen hatte entboten, das gab ihr Gott in ihren Sinn; und fuhr also gen Britannien mitsamt ihren vier Töchtern Babilla, Juliana, Victoria und Aurea, und mit ihrem feinen Sohn Adrianus, welcher aus Liebe zu seinen Schwestern von freiem Willen sich aufmachte zu der Fahrt; und ließ ihr Königreich in eines anderen Sohnes Hand. Auf ihren Rat wurden die Jungfrauen gesammelt von unterschiedlichen Königreichen und blieb sie allzeit ihre Führerin, und erlitt endlich mit ihnen das Martyrium.

Da nun nach dem Beding die Mägde gesammelt waren und die Schiffe, und alle Zehrung bereit war, da tat Sanct Ursula ihren Gesellinnen ihre heimliche Meinung kund; also schwuren sie allesamt auf eine neue Ritterschaft: sie huben an in Krieges Weise Spiele zu spielen und fuhren bald zusammen, bald auseinander; bald erhuben sie Streit, bald gaben sie sich zur Flucht und übten sich in allerlei Spiel; und ließen nichts unversucht, was ihnen in den Sinn kam; unterweilen kehrten sie des Mittags wieder von ihrer Fahrt, unterweilen kaum des Abends.

Die Edlen und Fürsten kamen zu dem großen Wunder, und waren alle voll Verwunderung und Freuden. Zu dem letzten, da Sanct Ursula alle Jungfrauen zum Glauben hatte bekehrt, da fuhren sie in einem Tag mit einem glückhaften Wind gen Gallien zu dem Hafen, der Thyella genannt ist, und kamen von dannen nach Cöln. Da erschien Sanct Ursula der Engel des Herrn und verkündete ihr, wie sie alle mit einander wieder gen Cöln sollten kommen, daselbst sollten sie die Krone des Märtyrer empfangen. Darnach fuhren sie auf des Engels Geheiß gen Rom. Und da sie kamen zu Basel in die Stadt, landeten sie daselbst und ließen da ihre Schiffe, und zogen zu Fuß gen Rom.

Da freuete sich ihrer Zukunft der Papst Cyriacus, denn er war selbst von Britannien geboren, und hatte viel Blutsverwandte unter ihnen. Also empfing er sie mit dem ganzen Clerus in großen Ehren. In derselben Nacht ward dem Papst von Gott kund getan, dass er mit diesen Jungfrauen sollte die Marter leiden. Das verhahl er; und taufte alle die unter den Mägden, die noch ungetauft waren. Da es ihn aber Zeit bedeuchte, zeigte er in einer großen Versammlug seinen Vorsatz an, und tat sich vor allem Volk von seinem Amt und von aller Würdigkeit; er hatte aber ein Jahr und elf Wochen, als der neunzehnte nach Sanct Peter, die Kirche regiert. Dem widerstunden sie allesamt, sonderlich die Cardinäle; denn sie glaubten, er sei von Sinnen kommen, dass er die päpstliche Würde wollte lassen, um dass er hinter etlichen unsinnigen Weibern möchte laufen. Er aber ließ sich davon nicht wenden, sondern setzte einen heiligen Mann mit Namen Ametos zu einem Papst an seiner Statt. Aber dieweil er den apostolischen Stuhl ließ wider des Clerus Willen so ward sein Name aus der Zahl der Päpste getilgt. Und die Schar der heiligen Jungfrauen verlor von Stund an alle Gnade, darin sie zuvor bei dem römischen Stuhl war gewesen.

Zu der Zeit waren zween böse Fürsten des römischen Heeres, Maximus und Africanus mit Namen; da die ansahen die große Menge der Jungfrauen, und sahen, wie allezeit mehr Männer und Frauen sich zu ihnen gesellten, da ward ihnen Angst, der Christenglaube möchte davon allzu sehr wachsen. Darum erkundeten sie ihren Weg mit Fleiß und sandten Boten an Julium, den Fürsten der Hunnen, der ihnen verwandt war, und ließen ihm sagen: er sollte ausziehen mit seinem Heer und die Jungfrauen, die da Christen seien, hinmorden, so sie gen Cöln kämen.

Der selige Cyriacus aber fuhr von Rom mit der edlen Schar der Mägde; es folgte ihm nach Vincentius, der Presbyter Cardinalis, und Jacobus, der von Britannien geboren war und war sieben Jahre Erzbischof gewesen zu Antiochia; er hatte zu der Zeit den Papst besucht, und hatte schon wieder die Stadt verlassen, da hörte er von der Ankunft der Jungfrauen, kehrte alsbald um, und ward ein Gefährte ihres Wegs und ihres Leidens. Auch Maurisius, der Bischof der Stadt Lavicana, der Babilla und Juliana Mutterbruder; Follarius, der Bischof von Lucca; Simplicius, der Bischof von Ravenna, der zu der Zeit nach Rom war gekommen: die gingen alle mit den Jungfrauen.

Nun war Aethereus, Sanct Ursulen Bräutigam, in Britannia geblieben; da erschien ihm ein Engel im Gesicht, der gebot ihm, dass er seiner Mutter sollte raten, dass sie Christin würde; denn sein Vater Aethereus war in dem ersten Jahre, da er ein Christ war worden, gestorben, und er war seinem Vater in der Herrschaft nachgefolgt. Da nun die heiligen Jungfrauen mit den vorgenannten Bischöfen wiederkehrten von Rom, ward Aethereus vom Herrn ermahnt, dass er sich alsbald aufmache und seiner Braut entgegenfahre und mit ihr zu Cöln die Märtyrerpalme empfange.

Er gehorchte dem göttlichen Gebot, und ließ seine Mutter taufen; und zog mit ihr und seiner kleinen Schwester Florentina, die schon eine Christin war, und mit dem Bischof Clemens den Jungfrauen entgegen, und gesellte sich zu ihnen, die Marter zu erleiden. Zu ihnen kam auch Marculus ein Bischof von Griechenland, mitsamt seiner Nichte Constantia, des Königs Dorotheus von Constantinopel Tochter; die war einem Königssohn vermählt gewesen, doch war derselbige vor der Hochzeit gestorben, und sie hatte darnach ihre Jungfrauschaft Gott gelobt; die kamen durch göttliches Gesicht ermahnt gen Rom und einten sich den heiligen Mägden zum Martyrium. Also fuhren die Mägde alle mit den vorgenannten Bischöfen wieder gen Cöln; da funden sie die Stadt allbereits von den Hunnen belagert.

Als die Hunnen die Mägde ersahen, fielen sie mit großem Geschrei auf sie und wüteten als die Wölfe unter den Schafen, und töteten sie allesamt. Da sie nun die andern alle erwürgt hatten und an Sanct Ursula kamen, da sah der Fürst der Hunnen ihre große Schönheit an, und verwunderte sich; und hub an, sie zu trösten über den Tod der Jungfrauen, und gelobte ihr, er wolle sie zu seinem Weibe nehmen. Das verschmähte Sanct Ursula. Da er sich also verachtet sah, legte er einen Pfeil auf sie an, und durchschoß sie; also ward ihr das Martyrium zuteil.

Nun war eine Jungfrau, Cordula mit Namen, die verbarg sich die Nacht über im Schiffe vor großer Furcht; des andern Morgens aber bot sie sich williglich dem Tod, und empfing also die Märtyrerkrone. Aber da ihr Fest nicht gefeiert ward, weil sie nicht mit den andern zusammen gelitten hatte, erschien sie lange Zeit darnach einer Klausnerin, und tat ihr kund, dass man ihr Fest sollte begehen am Tage nach dem Fest der elftausend Mägde.

Die Jungfrauen litten aber um das Jahr des Herrn 238. Doch läßt es nach Etlichen die Rechnung der Zeit nicht zu, dass solches zu der genannten Zeit geschah. Denn weder war Sicilien damals ein Königreich, noch Constantinopel; weil hier gesagt ist, dass die Königinnen jener Länder mit den Jungfrauen seien gewesen. Darum scheint glaublicher, dass lange nach dem Kaiser Constantinus, da die Hunnen und Gothen wütetet, dieses Märtyrium sei geschehen, das ist, zu der Zeit des Kaisers Marcianus, als wir in einer Chronik lesen, welcher regierte im Jahre des Herrn 452.

Es war ein Abt, der empfing von einer Abtissin zu Cöln den Leib einer der Jungfrauen, und gelobte, er wollte ihn in einem silbernen Schrein in seiner Kirche beisetzen; doch ließ er ihn ein ganzes Jahr auf dem Altar liegen in einem hölzernen Schrein. Da geschah eines Nachts, da der Abt des Klosters mit seinen Mönchen die Frühmette sang, das die heilige Jungfrau leiblich von dem Altar stieg, vor dem Altar sich demütiglich neigte, und zum Schrecken der Mönche vor aller Augen mitten durch den Chor von dannen ging. Der Abt lief zu dem Schrein und fand ihn leer. Da eilte er gen Cöln und erzählte der Abtissin alles, was geschehen war. Sie gingen zusammen zu der Statt, daher sie den Leichnam hatten genommn, da fanden sie ihn liegen. Der Abt bat um Verzeihung und begehrte den Leib wieder oder einen anderen, und gelobte, dass er ihm alsbald einen silbernen Schrein wollte lassen machen; des ward er nicht gewährt.

Es war ein geistlich Mann, der hatte große Andacht zu den heiligen Mägden. Es geschah, dass er siech lag; da erschien ihm eine Jungfrau, die war über die Maßen schön, und fragte ihn, ob er sie kännte. Er verwunderte sich über das Gesicht und sprach, er wüsste nicht, wer sie wäre. Da sprach sie „Ich bin eine von den Jungfrauen, gegen die du so viel Minne hast getragen, des soll dir nun ein Lohn werden: sprich uns zu Lieb und Ehren elftausend Vaterunser, so wollen wir dir zu Schutz und Trost sein in deiner Todesstunde.” Damit verschwand sie; er aber erfüllte ihr Gebot, so schnell er mochte; ließ den Abt rufen, und bat um die Ölung. Aber dieweil er die Ölung empfing und die Brüder vor ihm stunden, rief er plötzlich: sie sollten weichen, dass die heiligen Jungfrauen zu ihm möchten kommen. Da fragte ihn der Abt, was das wäre; da erzählte er ihm, was die Jungfrau ihm hätte gelobt. Also gingen sie allesamt aus; und da sie wieder kamen über eine kleine Weile, fanden sie, dass er von hinnen war geschieden.

© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln

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