Äbtissinnenraum
Im Rahmen des 2005 stattfindenden Mitgliederfestes des Fördervereins Romanische Kirchen Köln e.V. macht die katholischen Kirchengemeinde an der Basilika St. Ursula in Köln der Öffentlichkeit erstmals den Äbtissinnenraum auf der Damenempore von St. Ursula zugänglich, in dem der Kirchenschatz neu aufgestellt wurde. Neben der berühmten Goldenen Kammer bestand früher bereits eine Schatzkammer, die aber aufgrund der umfassenden denkmalpflegerischen Instandsetzung von St. Ursula in den vergangenen Jahren unter der Leitung von Architekt Rolf Link, Köln, wieder als Sakristeiraum benötigt wurde. Zur Aufnahme des kostbaren mittelalterlichen Kirchenschatzes, der vor allem Reliquiare umfasst, wurde nun der Äbtissinnenraum im Bereich der Damenempore gewählt, der zum Kernbestand der im ersten Drittel des 12. Jahrhunderts errichteten ehemaligen Damenstiftskirche gehört. Die Gestaltung hat die Kölner Künstlerin Ingrid Bussenius übernommen.
Unter den nun angemessen und in Korrespondenz mit ihrem Bestimmungsort gezeigten Werken der Schatzkunst ragen zunächst kostbare Seidengewebe aus Syrien, Byzanz und Westturkestan hervor, die im 9. Jahrhundert entstanden und bis 1871 als Umhüllung von Reliquien in den mittelalterlichen Reliquienschreinen dienten. Ein vergleichbar hohes Alter besitzt der berühmte ägyptische Bergkristall-Löwe, der ursprünglich als Schachfigur diente und später zu einem Reliquiar umgestaltet wurde. Von besonderem Reiz sind zwei französische Minnekästchen aus Elfenbein, die ebenfalls später als Reliquienbehälter umgenutzt wurden. Eine antike Hydria aus Onyx, die zu den Kananäischen Krügen gezählt wird, wurde 1370 vom Rat der Stadt Köln der Kirche ihrer Stadtpatronin übergeben. An das Damenstift, das bis 1802 nahezu neun Jahrhunderte an der Kirche bestand, erinnert die Krümme des spätgotischen Äbtissinnenstabes.
Neben den Vitrinen, die nun die Werke der Schatzkunst bergen, bestimmen den Raum ein spätromanischer Apostelzyklus, auf Schieferplatten gemalt einst Teil einer Chorschrankenanlage, und zwei Reihen Reliquienbüsten des 14. Jahrhunderts. Die Büsten rufen die Bestimmung von Schatz und Kirche als Gedächtnisstätte des Martyriums der hl. Ursula und ihrer Gefährtinnen in Erinnerung, die diese Kölner Basilika zum Zentrum einer über ganz Europa verbreiteten Verehrung werden ließ.
© Presseamt Erzbistum Köln